Satire und Poesie
von Freie Medien Germany
Der Kranz hat vier Kerzen, die erste brennt, das Herz in den Schmerzen nach dem, was man nicht kennt.
Die Glocken läuten leise, es glänzt das falsche Licht, auf Kommerz und Konsumreise, die uns die Ruhe bricht.
Im Supermarkt die Posaune schallt, der Stress greift nach dem Sinn, das Jesuskind wird kalt, und die Kasse klingelt hin.
Man singt von Heiligkeit, von Hirten und von Schafen, vergisst die Zeit, die Zeitlichkeit, in der die Wölfe schlafen.
Die Vorweihnachtszeit ist ein Phänomen, das Jahr für Jahr die gleiche Spirale aus Hektik, Konsum und Stress in Gang setzt. Ab Oktober leuchten die ersten Lichterketten, Kaufhäuser überbieten sich mit Angeboten und wir hetzen von Weihnachtsmarkt zu Weihnachtsfeier. Dieses Spektakel ist so absurd wie unaufhaltsam. Doch das größte Paradoxon liegt in der Wurzel des Festes selbst. Denn das gesamte vorweihnachtliche Treiben, das angeblich die Geburt Jesu feiert, basiert auf einer historischen Fehlinterpretation: Jesus wurde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht im tiefsten Dezember geboren. Das Fest, das uns so festlich auf die Feierlichkeiten einstimmt, ist ein Konstrukt, das die historische Wahrheit zugunsten von Tradition und Kommerz geopfert hat.