Einleitung:
Wenn das Leben eines Menschen auf tragische, erschütternde Weise endet, offenbart sich der wahre Charakter der Überlebenden nicht an wohlfeilen Trauerfloskeln, sondern an Taten. Der Fall der ehemaligen Bundespolizistin Ramona Findling aus dem bayerischen Vogtareuth und das Schicksal von Elke Schreiner aus Trier – der geschiedenen Ehefrau von Medienmacher und FMG-Gründer Raymund Martini – haben eine gewaltige Resonanz in der Öffentlichkeit ausgelöst. Die virtuellen Gedenkseiten verzeichnen einen enormen Zuspruch: Hunderte Bürger zünden Kerzen an, spenden virtuellen Trost und beweisen Mitgefühl. Doch auf der anderen Seite des Spektrums klafft ein dunkler, unerträglicher Abgrund: Ein Teil des einst vertrauten Umfelds, angebliche Freunde und Verwandte hüllen sich in feiges Totschweigen, verweigern jedes Beileid und treten die Würde der Verstorbenen mit Füßen. Wir stellen

Unsere mediale Welt funktioniert nach einer grausamen Logik: Einzelschicksale werden dann großgeschrieben, wenn sie in ein aktuelles politisches Narrativ passen oder genug „Klicks“ generieren. Doch was passiert mit den anderen? Mit denen, deren Tod nicht laut genug ist oder die unbequeme Fragen an das System stellen? Schicksale wie das der Bundespolizistin Ramona Findling oder der Studentin Jianhong Yu drohen im Mahlstrom der Zeit zu versinken. Sie werden zu „vergessenen Toten“. Es ist Zeit, die Mauer des Schweigens einzureißen und zu fragen, warum diese Menschen keine Talkshow-Plätze und keine Mahnwachen der Polit-Prominenz erhalten.
Am 17. Juli 1994 wurde die chinesische Studentin Yu Jianhong auf dem Campus der Universität Trier auf brutalste Weise ermordet. Ein Verbrechen, das die Stadt Trier damals schockierte und große Bestürzung auslöste. Doch über die Jahre hinweg ist das Andenken an Yu Jianhong und das grausame Schicksal, das sie ereilte, weitgehend in Vergessenheit geraten. Eine kritische Erinnerung an diesen Fall ist notwendig, nicht nur aus Respekt vor dem Opfer, sondern auch, um die tiefen Narben, die solche Taten hinterlassen, nicht zu ignorieren.